Es passiert gerade wieder. Die Schlagzeilen überschlagen sich, ein prominenter Name, ein unfassbarer Verrat im engsten Vertrauenskreis, jahrelang im Verborgenen und nun weltweit seziert.
Wir starren in diesen Abgrund und fühlen Entsetzen, während das Leid der Betroffenen medial verhandelt wird.
Doch ich frage mich: Was bleibt für die Seele übrig?
Aus meiner eigenen Erfahrung mit narzisstischem Missbrauch weiß ich, wie steinig der Weg zur Gerechtigkeit ist. Oft bleibt die Bestrafung im Außen aus. Im Gerichtssaal siegt die Wahrheit eben nicht automatisch.
Anwälte kreieren Narrative, weben Netze aus Worten. Die Lüge erscheint oft plausibler als die Wahrheit. Eine vermeintliche Duldung wird konstruiert, sie wirft Zweifel auf das Bild des Opfers, Konturen verwischen, und Angriffe auf Leib und Seele werden am Ende als „alte Kamellen“ bezeichnet.
Ich weiß, wie sich das anfühlt.
Denn auch das Schweigen, das Zögern, das späte Aussprechen wird später gegen die Betroffenen verwendet. Aus Scham wird Unglaubwürdigkeit gemacht. Aus Schutz ein Verdacht. Aus dem langen Ringen mit sich selbst ein Angriffspunkt.
Viele sprechen erst später.
Weil sie sich schämen.
Weil sie das Gegenüber nicht bloßstellen wollen.
Weil sie hoffen, durch Liebe, Duldung und Aushalten etwas heilen zu können, das sie längst verletzt.
Weil anwaltliche Schritte schwer sind.
Weil das eigene Erleben oft lange braucht, bis es Worte findet.
Und dann, wenn der Mensch endlich ausspricht, was geschehen ist, kommt die Frage: Warum denn erst jetzt?
Genau darin liegt eine weitere Tragik. Das spätere Sprechen wird zur Verhandlungssache gemacht, statt das Geschehene in seiner Wucht anzuerkennen.
Am Ende steht man da und weiß im schlimmsten Fall selbst nicht mehr, was wahr ist und was nicht.
In meinen täglichen Impulsen, ich nenne es mein verbales Niesen, richte ich meinen Blick deshalb auf die Analyse der Sehnsüchte und auf die innere Freisprechung.
Wenn das System versagt, bleibt uns der Weg zurück in die eigene Kraft.
Heilung beginnt dort, wo wir aufhören, die eigene Wahrheit von der Gerechtigkeit im Außen abhängig zu machen. Wir müssen uns selbst freisprechen. Wir haben vertraut. Wir haben geliebt. Unsere menschlichen Sehnsüchte waren echt, auch wenn sie missbraucht wurden.
Wir müssen wieder lernen, selbst zu entscheiden: Was ist akzeptabel und was lehnen wir ohne Kompromisse ab?
Das ist der Weg zurück zur eigenen Macht.
Die Vögel im Wald singen weiter, auch wenn der Ast unter ihnen wackelt. Sie wissen, wer sie sind, ungeachtet dessen, was der Wind über sie erzählt.
Und du?
Wie geht es dir heute mit diesen Nachrichten? Suchst du noch nach deiner Wahrheit in den Akten anderer oder fängst du an, dir selbst wieder zu glauben?
Ich höre dir zu.
© Manuela Engel-Dahan
Waldphilosophin und Krisenwandlerin
Impulsgeberin für Mensch & Wirtschaft
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Die Sprache entschleunigt – im langsamen Begreifen gelangen die Dinge zur Klarheit. Manchmal erinnert die Diktion an die oft unterschätzten Gedichte Friedrich Nietzsches bewusstes Staunen statt Hast. Die Texte entschleunigen und führen vom persönlichen Erleben zu allgemein gültigen Einsichten.