Einer der perfidesten Sätze lautet:
Du hast mich nicht zurückgehalten.
In diesem Satz steckt das ganze Ausmaß der Verdrehung.
Nicht das eigene Handeln wird benannt.
Nicht die eigene Grenzverletzung.
Nicht die eigene Verantwortung.
Stattdessen wird die Schuld dorthin geschoben, wo längst Verletzung entstanden ist.
Dann heißt es plötzlich:
Du hast es zugelassen.
Du hast mich nicht gebremst.
Du hast nichts gesagt.
Du warst doch immer so verständnisvoll.
Du bist selbst schuld.
Darum geht es nicht um zwei Wahrheiten.
Und auch nicht nur um die Frage, wer recht hat.
Es geht tiefer.
Es geht um den Versuch, Geschehenes nachträglich so umzudeuten, dass der Täter sich selbst entlastet.
Und genau das macht es für Betroffene so schwer, im Außen Gerechtigkeit zu erfahren.
Weil ihr Zögern gegen sie verwendet wird.
Weil ihr Schweigen verdächtig gemacht wird.
Weil ihr Schwanken nicht als Folge der Verletzung verstanden wird, sondern als Angriffspunkt.
Darum ist das Einzige, was wirklich schützt, oft die Distanz.
Nicht das weitere Erklären.
Nicht das Hoffen auf Einsicht.
Nicht das endlose Ringen um Verständnis.
Distanz.
Und wer den Entschluss fasst, öffentlich auszusprechen, was geschehen ist, sollte wissen, dass genau solche Angriffe kommen können:
Warum hast du es denn zugelassen?
Warum bist du nicht früher gegangen?
Warum hast du nichts gesagt?
Was geschehen ist, bleibt geschehen.
Und viel zu oft trägt am Ende noch derjenige die Last, der bereits verletzt wurde.
Wer Grenzen verletzt, bleibt verantwortlich für das eigene Handeln.
Nicht der Mensch, der zu spät erkannt hat, wie groß die Gefahr wirklich war.
© Manuela Engel-Dahan
Waldphilosophin und Krisenwandlerin
Impulsgeberin für Mensch & Wirtschaft
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Die Sprache entschleunigt – im langsamen Begreifen gelangen die Dinge zur Klarheit. Manchmal erinnert die Diktion an die oft unterschätzten Gedichte Friedrich Nietzsches bewusstes Staunen statt Hast. Die Texte entschleunigen und führen vom persönlichen Erleben zu allgemein gültigen Einsichten.