Alles scheint wunderbar. So einfach. So strahlend.
Ein Leben wie im Rausch, getaucht in das Gold einer fremden Sonne.
Es sind jene, die sich um einen Menschen im Zentrum eines Machtspiels tummeln und ihn nicht ändern wollen, weil sie profitieren.
Sie wollen im goldenen Schein bleiben.
Und oft bleibt es nicht beim Klatschen.
Die Claqueure buhlen auch untereinander um Nähe, um Bedeutung, um den Platz im Licht.
Genau das wird ausgenutzt.
Wenn ich hier von „er“ schreibe, meine ich den Menschen, unabhängig vom Geschlecht.
Diese Muster zeigen sich bei Männern und Frauen.
Der Schmerz und die psychischen Folgen für die Betroffenen bleiben dieselben.
Er will nicht, dass sie Freunde werden.
Er will nicht, dass sie sich wirklich verbinden.
Er will, dass alles bei ihm landet.
Also hält er die Fäden in der Hand.
Mit Lügen. Mit List. Mit gezielten Sätzen.
Er wiegelt auf, streut Zweifel und spielt am Ende selbst das Opfer.
Dann lässt er die Buhlenden einander prüfen, beobachten, bewerten.
Und jeder bekommt das Gefühl, der Liebling zu sein, der Vertraute, der besondere Mensch.
So bleibt der Kreis in Bewegung.
Nicht in Wahrheit, sondern in Konkurrenz.
Nicht in Beziehung, sondern in Abhängigkeit.
Und in diesem Kreis gibt es Opfer.
Menschen, deren Würde, Vertrauen und seelische Gesundheit den Preis für den Glanz zahlen.
Und wer das sieht, spürt und dennoch schweigt, trägt Mitverantwortung und nimmt die Opfer billigend in Kauf.
Und doch spüren wir es.
Jeder Mensch hat diesen Sensor in sich.
Leise, aber beharrlich.
Er schlägt aus, wenn die Süße zu klebrig wird.
Er vibriert, wenn der Preis für den Glanz die Würde eines anderen ist.
Wir stellen ihn nur auf lautlos.
Es wird schon stimmen, flüstert die Gier.
Ich frage lieber nicht nach, sagt die Bequemlichkeit.
Ich will meinen Platz nicht verlieren, sagt die Angst.
So beginnt das Mitlaufen.
Wer sich mitwärmt, ohne zu fragen, womit das Feuer brennt, zahlt mit der eigenen Integrität.
Wem diene ich heute?
Dem Applaus der Menge oder dem feinen Beben in meiner Brust, das mich warnt?
Mir geht es nicht um einen Pranger.
Mir geht es um Muster.
Ich will sie sichtbar machen, damit wir reagieren und Distanz schaffen können.
Denn auch Claqueure geben Sauerstoff.
Durch Applaus.
Durch Schweigen.
Durch Mitlaufen.
Durch das Weitertragen von Abscheulichkeit.
Wenn diese Fremdunterstützung entzogen wird, verliert das Falsche seine Bühne.
So lese ich es.
Wie Sauerstoffentzug für das Böse.
Der Wald erinnert mich daran.
Dort klatscht niemand.
Dort wird es still genug, damit die Seele wieder sprechen kann.
Wahrheit braucht keine Claqueure.
Sie leuchtet von selbst.
Der Gedanke für den Tag
Aktiviere deinen Sensor.
Trau dem Unbehagen mehr als dem Gratisglanz.
Es ist besser, bei sich zu bleiben, als im falschen Licht mitzuklatschen.
Vielleicht schmerzt es ein wenig, wenn die Augen sich erst wieder an die Dunkelheit gewöhnen müssen, wenn du aus dem Scheinwerferlicht heraustrittst.
Doch dieses Licht war künstlich.
Es war nicht die Sonne.
Es war eine Fatamorgana.
© Manuela Engel-Dahan
Waldphilosophin und Krisenwandlerin
Bild: Aus meinen Werken alias "hundertrotwein" Nr. 209, in Schwarzweiß
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Die Sprache entschleunigt – im langsamen Begreifen gelangen die Dinge zur Klarheit. Manchmal erinnert die Diktion an die oft unterschätzten Gedichte Friedrich Nietzsches bewusstes Staunen statt Hast. Die Texte entschleunigen und führen vom persönlichen Erleben zu allgemein gültigen Einsichten.