29. Oktober 2026

Ich nehme mich an die Hand

Ich bin da, auch wenn du mich nicht siehst

Heute hat mich eine liebe Freundin angerufen.
„Bitte schreib mir etwas. Schreib mir etwas, was mir diese furchtbare Angst nimmt.“

Ihre Worte begleiten mich seitdem. Ich denke an sie. An ihre Angst. An das, was ihr bevorsteht. Und an diese schreckliche Ungewissheit, die sich manchmal wie eine schwere Decke über unser Leben legt.

Was wissen wir denn schon?

Wir wissen nicht, wie etwas ausgehen wird. Wir wissen nicht, was uns morgen erwartet. Und doch malen wir uns ausgerechnet dann, wenn wir Angst haben, die dunkelsten Bilder unserer Zukunft aus.

Dabei könnte es doch auch ganz anders kommen.

Vielleicht sollten wir unserer Fantasie einmal eine andere Geschichte schenken.

Wie wäre es, wenn wir uns vorstellen, dass uns etwas ganz Besonderes bevorsteht? Dass wir ausgewählt wurden, weil man uns etwas zutraut? Weil wir Fähigkeiten in uns tragen, von denen wir selbst noch gar nichts wissen?

Vielleicht sind wir für eine Aufgabe bestimmt, die uns heute noch viel zu groß erscheint. Vielleicht entdecken wir gerade auf diesem Weg Kräfte, die bisher tief in uns geschlummert haben.

Und vielleicht werden wir dabei auf eine Weise behütet und begleitet, die wir noch gar nicht erkennen können.

Was wäre, wenn wir uns für einen Moment erlauben, genau das zu glauben?

Wir wissen nicht, ob es gut ausgeht. Das ist wahr. Wir wissen aber genauso wenig, ob es schlimm ausgehen wird.

Warum also nicht auch an das Gute denken? Warum nicht den schönen Möglichkeiten ein wenig mehr Raum schenken?

Vielleicht wird es dadurch ein kleines bisschen leichter.

Denn warum sollten wir ausgerechnet unseren schlimmsten Befürchtungen mehr Glauben schenken als unseren schönsten Möglichkeiten?

Ich weiß, wie sich Angst anfühlt.

Ich weiß, wie es ist, wenn aus Angst Panik wird.
Wenn die Gedanken rasen, der Körper reagiert und man sich beinahe selbst dabei beobachtet, wie man die Kontrolle über seine Gefühle verliert.

Man möchte sich beruhigen.
Man möchte vernünftig sein.
Man möchte einfach wieder durchatmen können.

Und dann geht das einfach nicht.

Vielleicht müssen wir in diesem Moment gar nichts verändern.

Vielleicht dürfen wir uns einfach selbst an die Hand nehmen.

So, wie wir die Hand eines Menschen halten würden, den wir von Herzen lieben.

Ganz behutsam.

Und uns selbst sagen:

Ja, ich habe Angst.
Ja, ich weiß gerade nicht, was auf mich zukommt.
Ja, dieser Weg macht mir zu schaffen.

Und trotzdem werde ich ihn gehen.

Langsam. Einen Schritt nach dem anderen.

Ich muss heute noch nicht wissen,
was morgen mit mir sein wird.

Ich darf heute einfach nur hier sein.

Vielleicht ist das ein kleines Licht, das wir in uns tragen.

Damit wir nicht nur den Schatten sehen.

Damit wir aufhören, gegen die Angst zu kämpfen, und beginnen zu verstehen, dass sie uns vielleicht nur aufmerksam machen möchte. Dass etwas in uns gerade besondere Zuwendung braucht.

Dass wir uns selbst in den Arm nehmen und trösten dürfen.
Ganz ohne gute Ratschläge.
Denn manchmal hilft kein einziges Wort.

Manchmal brauchen wir nur jemanden, der neben uns sitzt.
Der unsere Hand hält. Der schweigt.
Und der uns spüren lässt, dass wir gesehen werden.

Und manchmal können wir auch selbst dieser Mensch sein.

Probier es einmal aus.

Nimm dich selbst in den Arm. Ganz liebevoll. So, wie du einen Menschen umarmen würdest, dem du Trost schenken möchtest.

Und dann sage ganz leise zu dir:

Ja, du darfst Angst haben.
Ja, ich sehe dich.
Ja, ich bin da.

Meine liebe Freundin, ich denke an dich.
Ich fühle mit dir.
Und ich wünsche dir, dass du dich auch in den schwersten Augenblicken behütet fühlst.

Und wenn die Angst wiederkommt, dann nimm dich selbst ganz liebevoll an die Hand.

Ruhe dich aus.
Du musst heute nicht den ganzen Weg gehen.
Morgen ist ein neuer Tag.


© Manuela Engel-Dahan
Waldphilosophin und Krisenwandlerin
Impulsgeberin für Mensch und Wirtschaft

#FormYourWorld
#FreigeistigeWaldgedanken

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— Gerhard Charles Rump (1947–2020), Kunsthistoriker und -theoretiker mit Schwerpunkt zeitgenössische Kunst; Privatdozent an der TU Berlin, Kurator, Galerist und Fotokünstler.
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