03. Oktober 2026

Haben wir ein gemeinsames Ziel?

Oder nur gefährliches Halbwissen?

Diese Woche ist mir der Begriff „gefährliches Halbwissen“ begegnet und ich bin daran hängen geblieben. Das kannst du nicht, du bist kein Experte. Ah ja. Das ist mir im Leben oft begegnet und doch habe ich ein Hochsicherheitssystem für den Geheimschutz entwickelt. Ich wusste selbst nicht, dass ich das machen könnte.

Wir alle wissen vieles nur teilweise. Wir kennen Zusammenhänge, haben Erfahrungen gesammelt, eine Idee entwickelt oder eine Richtung erkannt, ohne jedes Detail zu beherrschen.

Gefährlich wird es für mich erst dann, wenn wir daraus etwas anderes machen. Wenn wir so auftreten, als wüssten wir genau Bescheid, obwohl wir es nicht tun. Wenn wir Sicherheit vermitteln, wo eigentlich Fragen offen sind, oder Kompetenz beanspruchen, die wir gar nicht haben. Und wenn wir Angst als Entscheidungsfaktor benutzen.

Vielleicht wäre vieles einfacher, wenn wir die Karten von Anfang an auf den Tisch legen würden.

Wenn ich sagen kann: Ich weiß ziemlich genau, was ich erreichen möchte und was mir dabei wichtig ist. Ich sehe eine Richtung und habe vielleicht schon eine Vorstellung davon, was möglich sein könnte. Aber ich kenne nicht jede Einzelheit und habe nicht in jedem Bereich das Wissen, um heute schon alles beurteilen zu können.

Dann bleibt eine wichtige Frage:

Haben wir ein gemeinsames Ziel?

Denn wenn wir das haben, können wir miteinander sprechen.

Wir müssen am Anfang nicht jeden Schritt kennen. Wenn wir wissen, wohin wir gemeinsam wollen, können wir herausfinden, was es dafür braucht. Der eine bringt Wissen mit, der andere Erfahrung, ein dritter vielleicht genau die Fähigkeit, die uns bisher gefehlt hat.

Dafür braucht es Aufrichtigkeit. Die Bereitschaft, nicht mehr vorzugeben, als man tatsächlich weiß, und gleichzeitig den Mut zu haben, für das einzustehen, was einem wichtig ist.

Und genau darin liegt für mich Vertrauen.

Ich habe oft erlebt, dass etwas Überraschendes geschieht, wenn man offen sagt: Hier kenne ich mich noch nicht aus, aber ich möchte es verstehen. Der Mensch gegenüber zieht sich nicht zwangsläufig zurück. Oft passiert das Gegenteil. Er erklärt, ergänzt, gibt Zeit, stellt Fragen und hilft dabei herauszufinden, was noch fehlt.

Vielleicht sind auch deshalb Quereinsteiger manchmal so erfolgreich. Sie kommen nicht mit dem Anspruch, bereits alles zu wissen. Sie schauen neu auf etwas, fragen anders und verbinden Dinge, die vorher vielleicht niemand miteinander verbunden hat.

Und genau dieser Gedanke gehört für mich auch zu „Boomer meets Gen Z“.

Denn was treibt uns über die Generationen hinweg eigentlich um?

Vielleicht vor allem die Frage, wie unsere Zukunft aussehen wird und was wir selbst dazu beitragen können, damit wir uns in ihr wiederfinden, uns wohlfühlen und aus dem schöpfen können, was in uns steckt.

Wir bringen dafür sehr unterschiedliche Erfahrungen mit. Die Jüngeren kennen eine Welt, die für Ältere in vielem neu ist. Die Älteren haben Veränderungen erlebt, Umwege gemacht und Erfahrungen gesammelt, die man nicht aus Büchern lernen kann.

Wir müssen deshalb nicht gleich denken. Vielleicht müssen wir nur herausfinden, ob wir dasselbe wollen.

Wenn wir ein gemeinsames Ziel haben, können unterschiedliche Sichtweisen sogar wertvoll werden. Dann geht es nicht mehr darum, wer recht hat, sondern darum, was jeder beitragen kann.

Und vielleicht ist genau das Vertrauen: nicht zu wissen, wie alles werden wird, aber darauf zu vertrauen, dass wir miteinander herausfinden können, wie wir Zukunft gestalten wollen.

Nicht gegeneinander, nicht übereinander, sondern miteinander.

Haben wir ein gemeinsames Ziel?

Und was geschieht, wenn wir einander erzählen, was schwer war, wie wir es bewältigt haben und wo vielleicht bis heute Fragen offen geblieben sind?

Wer weiß, was daraus entsteht.

Ich nenne es „Dominosteine schubsen“: dieser kleine Moment, in dem plötzlich eine Geschichte oder manchmal nur ein einziger Satz die eigene Perspektive verändert und ein Bild sichtbar werden lässt, das vielleicht schon lange da war, bisher nur nicht offengelegt.

Vielleicht fällt dann ein erster Stein und stößt etwas an, von dem wir vorher noch gar nicht wussten, dass es in Bewegung kommen kann und auch darf.

Wer weiß ...

© Manuela Engel-Dahan

Waldphilosophin und Krisenwandlerin
Impulsgeberin für Mensch und Wirtschaft

P.S. Die wilde Karde begleitet mich schon länger. Zu diesem Foto entstand 2023 mein Text „Ich bin die wilde Karde“. Heute erzählt sie mir wieder etwas anderes.

#FormYourWorld
#BoomermeetsGenZ
#Vertrauen
#LeichtSINN
#FreigeistigeWaldgedanken

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Rezension
Buchbesprechung von Gerhard Charles Rump (postume Veröffentlichung, 08.08.2020) zu Freigeistige Waldgedanken – Band 1.
Die Sprache entschleunigt – im langsamen Begreifen gelangen die Dinge zur Klarheit. Manchmal erinnert die Diktion an die oft unterschätzten Gedichte Friedrich Nietzsches bewusstes Staunen statt Hast. Die Texte entschleunigen und führen vom persönlichen Erleben zu allgemein gültigen Einsichten.
— Gerhard Charles Rump (1947–2020), Kunsthistoriker und -theoretiker mit Schwerpunkt zeitgenössische Kunst; Privatdozent an der TU Berlin, Kurator, Galerist und Fotokünstler.
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