Heute wurde mir ein Film von einer Frau geschickt, die mit genau diesem Satz viral gegangen ist.
Und beim Anschauen habe ich ihre Freude richtig mitgefühlt.
Dieses Staunen. Dieses Glück in dem Moment, in dem sich der Ast tatsächlich bewegt und die Blätter sie berühren.
Denn genau diese Freude kenne ich.
Den ganzen Sommer über habe ich auf der Wegscheide mit den Schulklassen ausprobiert, ob wir Kontakt zu einem Baum aufnehmen können.
Kann ein Baum uns verstehen?
Kann er wahrnehmen, dass da jemand steht und Kontakt zu ihm aufnehmen möchte?
Wir stellen uns unter einen Ast, mit vielleicht zwanzig Zentimetern Abstand, und sagen laut oder auch nur in Gedanken:
„Lieber Baum, berühre mich.“
Und dann heißt es warten.
Ein Baum ist schließlich kein Computer. Vielleicht braucht er ein wenig, bis er seine Körpersäfte steuert. Ich weiß es nicht.
Ich weiß nur, was ich immer wieder erlebt habe.
Manchmal beginnen zuerst die Blätter ganz leicht zu zittern. Dann bewegt sich ein Zweig. Ganz sanft. Und plötzlich senkt sich ein Ast ein kleines Stück.
Noch ein wenig.
Bis die Blätter das Gesicht berühren, den Hals oder die Schulter.
Mehr als einmal kam dann völlig überrascht die Frage:
„Wer hat den Ast heruntergedrückt?“
Niemand.
Da war niemand.
Und kurz darauf dieses glückliche:
„Oh ja, es funktioniert!“
Und genau diese Freude habe ich heute in dem Film wiedererkannt.
Diese Freude, wenn plötzlich etwas geschieht, womit man vielleicht gehofft, aber doch nicht wirklich gerechnet hat.
Und auf einmal können Menschen, die sich überhaupt nicht kennen, dieselbe Freude miteinander teilen.
Ausgelöst durch einen Baum.
Durch diesen einen besonderen Moment, in dem es sich anfühlt, als würde er sagen:
Ich höre dich.
Ich fühle dich.
Ich nehme dich wahr.
Ich berühre dich.
Vielleicht ist es genau das, was uns dabei so tief berührt.
Nicht nur, dass sich ein Zweig bewegt.
Sondern dieses Gefühl, für einen Augenblick Teil von etwas zu sein, das größer ist als wir selbst.
Warum geschieht es?
Ist es unser Atem?
Unsere Körperspannung?
Eine Schwingung?
Woher kommt manchmal genau in diesem Moment dieser sanfte Windstoß?
Oder gibt es zwischen Mensch und Natur eine Form der Kommunikation, die wir gar nicht beschreiben können?
Ich weiß es nicht.
Aber ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn die Blätter plötzlich die Haut berühren und man für einen Moment das Gefühl hat:
Der Baum hat geantwortet.
Diese Beziehung zum Wald begleitet mich schon mein ganzes Leben und sie zieht sich auch durch meine Bücher, durch die Freigeistigen Waldgedanken und durch Mentales Waldbaden.
Der Wald ist für mich ein Ort des Staunens, des Erlebens und des Ankommens. Manchmal gibt ein Baum Halt, manchmal fühlt sich der Wald wie eine Befreiung an und manchmal tatsächlich wie eine Umarmung.
Und manchmal liest man im Wald etwas, das in keinem Buch steht.
Im November erscheint mit „Einladung in den Spessart“ auch unsere gemeinsam mit mehreren Co-Autorinnen und Co-Autoren entstandene Spessart-Anthologie. Die erste Lesung findet im November auf der Buchmesse im Aschaffenburger Schloss statt.
Und schon an diesem Samstag bin ich auf der Buchmesse in Hofheim im Taunus und habe meine bisher erschienenen Bücher dabei. Im Café MachBar kann man sie auch anschauen und gerne kaufen.
Im nächsten Jahr kommen wir dann mit einigen der Co-Autoren auf die Wegscheide zurück und werden dort beim Tag der offenen Tür gemeinsam lesen.
Aber vorher:
Probier es einmal selbst.
Stell dich unter einen Baum, lass ein wenig Abstand zwischen dir und dem Ast und sage laut oder nur in Gedanken:
„Lieber Baum, berühre mich.“
Und dann gib ihm ein bisschen Zeit.
© Manuela Engel-Dahan
Waldphilosophin und Krisenwandlerin
Impulsgeberin für Mensch und Wirtschaft
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Die Sprache entschleunigt – im langsamen Begreifen gelangen die Dinge zur Klarheit. Manchmal erinnert die Diktion an die oft unterschätzten Gedichte Friedrich Nietzsches bewusstes Staunen statt Hast. Die Texte entschleunigen und führen vom persönlichen Erleben zu allgemein gültigen Einsichten.