30. September 2024

Verletzlichkeit

Was leitet mich?

Lebe ich einen Traum oder 
träume ich das Leben?

Dickes Grau hängt über mir.
Die Luft legt sich in weißen 
Schleiern um Baumstämme 
und lässt den Farn sattgrün 
leuchten.

Da reißt der Himmel
unvermittelt auf,
goldene Lichtpunkte tanzen 
zu leisem Vogelgesang.
Mir ist‘s als wäre es April, 
ein später Frühling im Herbst.

Quatsch, dafür sind
die Vögel zu verhalten 
und der Wind zu aktiv,
die Luft spendiert ein Wechselbad.
Wärme und Frische im 
fliegenden Wechsel.
Das wirbelt meine Gedanken 
und ich frag mich,
warum wechseln sie ebenfalls,
wie heute der Himmel,
zunächst verhangen und dann
unglaublich blau,
doch stets und wohl dann,
wenn ich dachte, 
jetzt hab ich sie,
die Aussicht auf die Einsicht.
Das wars.

In einer Situation entspannt 
zufrieden glücklich 
und zu anderer Zeit,
alles identisch,
nur anderes Datum,
erscheint es so fad und grau,
so unbeholfen.

Wer bin ich?
Warum bin ich hier?
Vertraue ich oder träume ich?

Ist das auch Verletzlichkeit,
wenn nichts mehr schmerzt?

Treibt mich Mut oder 
zieht mich die Angst?

Tagträume oder Nachtwache?

Ich weiß,
es ist die Schwingung,
die uns trägt,
ich glaube,
es ist das Gefühl,
das uns den Weg zeigt 
und dann spüre ich diese
leichte Taubheit,
es prickelt und ich weiß 
nicht, ob vor Freude oder 
vor Schmerz und dann
fühle ich mich so verletzlich.
Ich fühle,
also bin ich!

Ich lass los und
unvermittelt trifft mich
eine unerwartete Botschaft,
wie ein fein gewebter,
mentaler Lichtstrahl,
eine zarte Streicheleinheit,
die meine suchenden Gedanken 
trösten und liebkosen,
mir feinsten Rosenduft mit 
zarter Pfirsichnote einhauchen und 
meinem Puls neuen Rhythmus 
schenken.

Verletzlichkeit,
du machst mich leicht, 
umarmst mich sanft,
gleichst diesem 
tanzenden Schleier 
aus glitzernden Wassertröpfchen 
mit bunten Lichtpunkten,
bist mein Regenbogen,
füllst unerwartet Augenblicke 
mit Glückshormonen,
traumhafte Momentaufnahmen,
zwischen zwei Wimpernschlägen erhascht, 
genossen und verinnerlicht.

Eine kleine Traumsequenz 
mit geöffneten Augen, 
eine kleine Flutwelle 
im Gefühlsmeer, 
eine herrlich warme Strömung 
zur inneren Wundheilung.

Ich wiege mich sanft 
in dieser Erfahrung, 
sie lässt mich einfach sein. 
Ich fühle es und 
halte es fest, 
für diesen Moment, 
einfach jetzt.

Es tut so gut. 
Fühlst du es auch?


© Manuela Engel-Dahan  
MUT und Lebensberaterin  
für Angst-Wandlung und Klärung  
„Jede Krise dient der Heilung“

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Rezension
Buchbesprechung von Gerhard Charles Rump (postume Veröffentlichung, 08.08.2020) zu Freigeistige Waldgedanken – Band 1.
Die Sprache entschleunigt – im langsamen Begreifen gelangen die Dinge zur Klarheit. Manchmal erinnert die Diktion an die oft unterschätzten Gedichte Friedrich Nietzsches bewusstes Staunen statt Hast. Die Texte entschleunigen und führen vom persönlichen Erleben zu allgemein gültigen Einsichten.
— Gerhard Charles Rump (1947–2020), Kunsthistoriker und -theoretiker mit Schwerpunkt zeitgenössische Kunst; Privatdozent an der TU Berlin, Kurator, Galerist und Fotokünstler.
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