15. Dezember 2025

Gewaltig

Es werde Licht

Gewaltig

Mir stockte der Atem. Ein intensiver Schmerz. Verlust und Endlichkeit. Der plötzliche Tod eines Menschen. Ein Feingeist, höflich, bescheiden. Ein Beobachter. Sein Begleiter, sein Puls: der stets gespitzte Bleistift. Mit Grazie, Wortpräzision und Bedeutungsakrobatik. Er ist einfach gegangen. Still und freundlich, auf seine Art. Sein Lebenslicht ist erloschen.

Wir ringen mit Geist und Worten. Und erst jetzt entdecke ich seine Werke. Ich bin erschüttert von der intensiven Kraft seines Schaffens und lese eine seiner beeindruckenden Erzählungen erneut. Sie stand seit dem letzten Jahr im Bücherschrank, ohne dass ich es wusste: darin ein Text von ihm. Ich kann nicht mehr mit ihm sprechen. Nichts mehr fragen. Das ist so traurig. Ich weiß nicht, warum es so intensiv schmerzt, obwohl ich ihn nur zweimal traf.

Oder doch. Ein Déjà-vu.

Wie vor fünf Jahren. Ein Erstgespräch mit einem Menschen, eine besondere geistige Verbindung. „Ruf mich am Montag an“, sagte er. „Da müssen wir anknüpfen. Es gibt so viel zu diskutieren. Hier ist meine Nummer.“ Vorfreude. Neugier. Zwei Tage später der Termin. Ich rufe an. Nur der Anrufbeantworter. Zwei Stunden später die Mitteilung: Er ist tot. Im Schlaf gestorben. Ein unvollendeter Dialog. Keine Fortsetzung. Fragen ohne Antworten.

Ich denke an eine Freundin. Wie tief muss ihr Schmerz sein. Ich rufe sie an und fühle mit ihr. Ihr Herzensmensch, ihre zweite Hälfte, ging vor einigen Wochen unerwartet voraus. So viele Fragen. Keine Antworten. Nicht einmal eine halbe Antwort. Kein Sinn. Nur seelische Taubheit. Nur ein „Es ist, wie es ist.“ Nur weitermachen.

Gewaltig ist der Schmerz der Ohnmacht.
Gewaltig ist das Zurückbleiben.
Gewaltig ist die Erkenntnis, dass wir Einzelgänger sind, die einander begleiten, mit vergänglichen Körpern, deren Stimmen nicht mehr in den Ohren, sondern im Herzen hallen, wenn es verbundene Seelen sind.

Gewaltig ist das Schicksal.

Voller Gewalt ist es, wenn ohne Zutun das Leben endet. Der Tod löscht ein Lebenslicht, vielleicht, weil die Energie in diesem Körper aufgebraucht ist, weil der Körper den Sauerstoff nicht mehr dorthin trägt, wo Leben ihn braucht.

Gewaltig ist der verirrte Mensch.

Und dann am selben Tag: Gewalt durch Menschenhand. Hass, auch auf Religion, mit dem Ziel, Lebenslichter auszulöschen.

Doch hier gibt es eine Antwort: Gewaltig ist das Licht.

Möge sich das Licht verbreiten, heller als je zuvor. Möge das Lichterfest ein Anstoß sein: Nichts kann Liebe aufhalten. Wo ein Licht gelöscht wird, werden acht neue Lichter entzündet.

Ihr Trauernden, möge das Licht und die Liebe euch wärmen und an eurer Seite sein.

Ihr, deren Leben erloschen ist: Mögen eure Seelen, von dort, wo ihr jetzt seid, heller als jemals zuvor leuchten.

Ruht in Frieden. Wir kommen nach, wenn Zeit ist. Wir stellen unsere Lichter in die Fenster, damit sie gesehen werden und die dunkle Nacht erhellen.

© Manuela Engel-Dahan
Schriftstellerin und Waldphilosophin
Krisenwandlerin für mehr Vertrauen und Leichtigkeit im Leben

#ImmerwiederLicht #FormYourWorld

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Rezension
Buchbesprechung von Gerhard Charles Rump (postume Veröffentlichung, 08.08.2020) zu Freigeistige Waldgedanken – Band 1.
Die Sprache entschleunigt – im langsamen Begreifen gelangen die Dinge zur Klarheit. Manchmal erinnert die Diktion an die oft unterschätzten Gedichte Friedrich Nietzsches bewusstes Staunen statt Hast. Die Texte entschleunigen und führen vom persönlichen Erleben zu allgemein gültigen Einsichten.
— Gerhard Charles Rump (1947–2020), Kunsthistoriker und -theoretiker mit Schwerpunkt zeitgenössische Kunst; Privatdozent an der TU Berlin, Kurator, Galerist und Fotokünstler.
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