Kennst du diesen Moment, in dem plötzlich alles zu viel wird?
Ein falsches Wort, eine beiläufige Bemerkung, und innerlich beginnt es zu kochen.
Was ist denn jetzt los? Gestern war doch noch alles in Ordnung.
Oder vielleicht doch nicht?
Wir Menschen sind erstaunliche Überlebensmaschinen. Unser Körper arbeitet auf Autopilot. Er meldet Hunger, Durst und Müdigkeit. Aber wie meldet er eigentlich, dass nicht der Magen leer ist, sondern die Kraft?
Vielleicht, wenn uns jede Kleinigkeit aufregt. Wenn wir jedes Wort dreimal herumdrehen, uns unverstanden fühlen und am liebsten alles hinschmeißen möchten.
Und plötzlich ist er da, dieser Satz:
Nein, so will ich das nicht mehr!
Aber wer hat uns eigentlich so weit getrieben?
Die anderen? Ihre Erwartungen? Die vielen Aufgaben?
Oder vielleicht wir selbst?
Da ist dieser unglaubliche Drang, alles zu schaffen, alles zu regeln, alles im Griff zu haben.
Und wenn es sonst keiner macht?
Na, dann bin ich eben da!
Die Superheldin. Ich mache das schon. Ich regle das. Ich schaffe auch noch das, was andere nicht hinbekommen.
Und dann kommt dieses wunderbare Lob: „Wow, du schaffst das alles!“
Ach, wie gut das tut!
Applaus. Bewunderung. Wer mag das nicht?
Und schon sitzt er wieder auf unserer Schulter, dieser kleine Teufel, und flüstert:
„Na komm, das schaffst du auch noch!“
Und dann dieser Satz, der uns endgültig den Superheldenumhang umlegt:
„Wenn es einer schafft, dann du!“
Und auch so ein Burner:
„Aber du machst das doch so gerne …“
Ja, natürlich! Mit Freude, Leidenschaft und Begeisterung.
Aber wer sagt eigentlich, dass es deshalb keine Grenzen mehr braucht?
Wir geben, weil wir es können.
Und die anderen?
Sie nehmen es. Warum auch nicht? Wir haben es schließlich angeboten.
Und manchmal geben wir noch ein bisschen mehr. Weil es sich gut anfühlt, gebraucht zu werden.
Und der Preis?
Irgendwann meldet sich tief im Inneren ein kleiner Schmerz.
Erst ganz leise. Fast unbemerkt. Wir schieben ihn beiseite, machen weiter.
So lange, bis er anfängt zu schreien:
„Nein! Ich will das nicht mehr!“
Und wie kommt das bei den anderen an?
Verwunderung. Enttäuschung. Vielleicht sogar Unverständnis.
„Was ist denn plötzlich mit dir los? Du hast das doch immer gemacht!“
Jetzt dreht sie durch.
Und dann wünschen wir uns, dass jemand erkennt, wie es uns geht. Dass jemand zuhört, uns versteht, vielleicht sogar von selbst bemerkt, dass wir eine Pause brauchen.
Aber stellen wir vielleicht die falsche Frage?
Nicht: Wann wurde ich das letzte Mal wirklich gehört?
Sondern: Wann habe ich mich selbst das letzte Mal gehört, gefühlt und wahrgenommen?
Und das heißt doch:
Wir selbst haben unseren Teil dazu beigetragen, dass es so weit gekommen ist.
Und wir selbst können auch etwas daran ändern.
Vielleicht braucht es aber auch hin und wieder eine kleine Erschütterung.
Einen Moment, in dem die Superheldin ihren Umhang ablegt und manches ins Wanken gerät.
Erwartungen. Gewohnheiten. Selbstverständlichkeiten.
Und plötzlich entsteht Bewegung.
Und bevor wir gleich wieder alles regeln wollen, braucht es vielleicht nur eines:
Einfach mal schlafen und schauen, was der nächste Tag bringt.
Wer weiß …
© Manuela Engel-Dahan
Waldphilosophin und Krisenwandlerin
Impulsgeberin für Mensch und Wirtschaft
#FormYourWorld
#FreigeistigeWaldgedanken
Die Sprache entschleunigt – im langsamen Begreifen gelangen die Dinge zur Klarheit. Manchmal erinnert die Diktion an die oft unterschätzten Gedichte Friedrich Nietzsches bewusstes Staunen statt Hast. Die Texte entschleunigen und führen vom persönlichen Erleben zu allgemein gültigen Einsichten.