05. Dezember 2024

Entscheidungsfindung

Du musst nicht, du kannst, wenn du willst und du bist, was du glaubst. Das ist gut.

Ein kleiner Ast zeigt sich, völlig unentschlossen, kaum eine Elle lang. Zur Hälfte trägt er ein weiches Kleid aus lässigen Moosfransen, während die andere Hälfte kühl und elegant geklöppelte Eiskristallspitzen zur Schau stellt.

Eine Seite im Freizeitlook, die andere bereit für ein wichtiges Ereignis, denke ich mir. Auf engstem Raum, auf einem einzigen Körper, toben sich zwei Klimazonen aus.

Ist das ein Hinweis auf Zerrissenheit? Oder vielleicht ein mutiger und durchaus gelungener Versuch der einen Seite, den Winter zu ignorieren, indem sie mit sattem Grün den nasskalten Partikeln trotzt.

Vielleicht zeigt es, dass jeder mindestens zwei Gesichter hat oder dass es nicht ungewöhnlich ist, wie ein Ast auch zweigeteilter Meinung zu sein. Einfach mal akzeptieren, dass man nicht wie ein Uhrwerk läuft und nicht der Norm entspricht.

Die eine Seite zelebriert bereits den Winter, die andere schwelgt noch im Herbst. So oder so, ein schöner Anblick.

„Du hast meine Unterseite und mein Innerstes nicht gesehen“, meine ich, eine verschmitzte Stimme zu hören.

Muss ich auch nicht. Für mich ist es ein Zeichen, dass es gut ist, nicht immer alles auseinanderzunehmen, nur weil es der Norm oder unseren Erwartungen nicht entspricht.

Nimm dich selbst an, wie du bist. Erfreue dich an deinen Nuancen. Blicke nicht ständig auf andere und versuche sie nicht nachzuahmen, denn das, was anderen gedient hat, muss nicht unbedingt zu dir passen.

Wie die Klimazonen: Nicht jeder reagiert gleich auf Herausforderungen und fühlt sich in seiner Unterschiedlichkeit wohl.

Tu, was dir guttut und niemandem schadet, und erfreue dich an dir selbst, denn du bist einzigartig!

Also gut! Du bist gut wie du bist und ich auch, und dann ist alles gut und auf dem Weg.

Beste Wappnung für jedes Klima oder Wettereinbruch. Wow, das klingt ziemlich autoritär. Wenn wir uns akzeptieren, dann sind wir stark. Gestärkt durch Schwächen-Akzeptanz.

Was so ein kleiner Ast alles vermittelt.

Richtig stark, mein lieber Wald!

© Manuela Engel-Dahan
Mut- und Lebensberaterin für Angstbewältigung
Begleiterin zur inneren Stärke und Lebensfreude

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Buchbesprechung von Gerhard Charles Rump (postume Veröffentlichung, 08.08.2020) zu Freigeistige Waldgedanken – Band 1.
Die Sprache entschleunigt – im langsamen Begreifen gelangen die Dinge zur Klarheit. Manchmal erinnert die Diktion an die oft unterschätzten Gedichte Friedrich Nietzsches bewusstes Staunen statt Hast. Die Texte entschleunigen und führen vom persönlichen Erleben zu allgemein gültigen Einsichten.
— Gerhard Charles Rump (1947–2020), Kunsthistoriker und -theoretiker mit Schwerpunkt zeitgenössische Kunst; Privatdozent an der TU Berlin, Kurator, Galerist und Fotokünstler.
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