„Ich bin noch nicht soweit,“
flüstert das grüne Blatt.
Ein roter Nachbar kichert:
„Noch grün hinter den Ohren.“
Doch das Blatt summt genüsslich
vor sich hin:
„Die Sonne wärmt mich,
ich will noch bleiben.“
Die anderen flattern im Wind,
ein wenig beleidigt und
sichtlich erschöpft,
der grüne Lebenssaft längst gewichen.
„Wir haben uns gebeugt,
wir haben losgelassen.
Warum darfst du noch genießen?“
Leise beginnen die kleinen gelben Früchte
zu klingeln im Morgenwind,
wie winzige Glöckchen,
die mahnen:
„Lasst ihm die Zeit,
die er braucht.
Spielraum ist Leben.“
Da sinniert das Blatt:
„Weil Wandlung sein Momentum braucht.
Ihr habt euren Augenblick gespürt,
ich fühle meinen noch nicht,
bin noch nicht bereit.
Und das ist mein Spielraum.“
Ein gedämpftes Raunen
geht durch den Strauch,
rot und grün mischen sich
im schmeichelnden Morgenlicht,
tanzen in der leichten Brise.
Und zwischen den Zweigen
läutet es weiter, sanft und doch bestimmt,
als wollte der Strauch selbst erinnern:
Alles hat seinen Klang,
alles seinen Moment.
Am Ende wird alles wieder eins,
wenn wir zu Boden fallen,
im Kreislauf von des Seins,
dem Leben, dem Tod und Neubeginn.
Bis dahin:
Genießt die Sonne.
Seht ihr, wie die Menschen lächeln?
© Manuela Engel-Dahan
Waldphilosophin | Mut. Vertrauen. Begleitung.
Im Wald gefühlt. Ins Leben geschrieben.
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Die Sprache entschleunigt – im langsamen Begreifen gelangen die Dinge zur Klarheit. Manchmal erinnert die Diktion an die oft unterschätzten Gedichte Friedrich Nietzsches bewusstes Staunen statt Hast. Die Texte entschleunigen und führen vom persönlichen Erleben zu allgemein gültigen Einsichten.