Diese verstreuten, weißen
Eis- und Schnee-Gebilde
im Wald lassen mich nicht los.
Heute nehme ich sie
als zartes Elfenhaar wahr.
Die kleinste Berührung
löst das Gewebe in Luft auf,
hinterlässt kaum Wasser.
Ein gehauchter Kuss.
Es sieht doch eher aus,
als hätten Elfen einige Schäfchen-Wolken
mit Zauberstäben aus feinstem Ebenholz geschoren.
Doch für Schäfchen sind
die Haare zu fein und zu weiß,
auch fehlen die gewohnten Locken.
Es müssen wohl Alpaka-Wolken sein.
Ach was, ich hab's, es sind
Kaninchen-Wolken gewesen,
mit feinster, federleichter,
schneeweißer Angorawolle.
Schöner Gedanke:
der Himmel erfüllt mit Kaninchen
und eifrigen Elfen,
die die schwebenden Häschen
sanft kämmen und die Wolle
zu uns in den Wald werfen.
Ach, wo denkst du hin,
sie werfen doch nicht achtlos,
sie platzieren sie gekonnt,
dekorieren sie in Mustern
am Wegesrand,
um die Menschen
mit grazilen Gebilden zu erfreuen,
um abzulenken vom tristen Gedankengrau
und zu entführen,
in die Welt der Fantasie und Leichtigkeit,
um zu verzücken,
und den Beweis zu erbringen,
dass selbst kalte Gebilde
wohlig wärmen können,
wie ein Augenzwinkern
mit einem Lächeln.
Eine kleine Wald-Kunst-Installation
zur Entspannung oder Aufmunterung,
je nach Verfassung.
Während ich mich
den Gedanken hingebe,
meldet sich eine Stimme:
„Warum Elfen?
Es könnten auch Barbiere sein,
die Bärte von lustigen Zwergen stutzen.“
Oder alles zusammen und
noch viel mehr, und jeder
macht und sieht,
was guttut oder gefällt.
Der Himmel,
ein riesiger Schönheits-Salon
und Vergnügungspark,
die hinterlassenen Flocken
einzig ein Spiegel der Gefühle
der betrachtenden Menschen.
Es könnten auch zarte Federn sein,
die man pflückt,
um die Seele zu streicheln,
mit der behutsamen Botschaft
unseres Schutzengels:
„Sei unbesorgt, ich bin da, es ist mein Engelshaar.“
© Manuela Engel-Dahan
Mut- und Lebensberaterin für Angstbewältigung
Begleiterin zur inneren Stärke und Lebensfreude
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