An alle selbsternannten Forensiker und Profiler da draußen
Ich beobachte, wie Grauen seziert, in aller Ausführlichkeit beschrieben und geteilt wird. Und dabei stellt sich mir eine wesentliche Frage:
Was ist euer eigentlicher Antrieb?
Wollt ihr wirklich Gutes tun, aufklären und warnen oder geht es am Ende doch um Klickraten?
Wir leben in einer Welt, in der wir Triggerwarnungen vor ein totes Huhn setzen. Und gleichzeitig beschreiben wir dann detailliert, oft sogar mit Bild oder Video, was Menschen einander angetan haben. Wem dient das?
Ich habe das Gefühl, hier wirkt ein tragischer Kreis. Denn mir scheint: Das Motiv ist oft ähnlich. Diese fatale Sehnsucht nach Anerkennung.
Genau diese Falle des Bösen.
In diese Falle sind die Opfer getappt: das Versprechen von Glanz, Bedeutung, begehrt und geliebt zu sein, und der Durst nach Zugehörigkeit.
Und tappen jetzt vielleicht auch jene hinein, die diese Geschehnisse laut und bildstark ausschlachten?
Die Sehnsucht, gesehen zu werden. Die Sehnsucht, etwas zu teilen, das alle interessiert. Teil dieser großen Inszenierung zu sein. Und so wird das Grauen zur Bühne für Reichweite.
Wäre es nicht angebrachter, statt Symptome zu verbreiten, endlich zu prüfen, was zu tun ist, damit so etwas gar nicht erst geschieht?
Mir geht es nicht um Verbote. Mir geht es um Stärkung. Um junge Menschen und auch ältere zu erinnern, den inneren Kompass zu schärfen. Dieser feine Sensor, den jeder in sich trägt, merkt, wenn etwas nicht passt. Und er wird oft genau dann auf lautlos gestellt, wenn die Verheißungen so verführerisch klingen, dass man danach lechzt.
Statt das Geschehene auszubreiten und womöglich Voyeure anzulocken, die anderes im Sinn haben als Heilung, braucht es Bewusstsein für Fragen wie:
Was ist das Motiv, wenn jemand das Blaue vom Himmel verspricht?
Welchen Nutzen hat der Mensch, der die Geschenke ausbreitet?
Warum macht er das, was treibt ihn wirklich?
Und was wollen jene, die ihn umwerben?
Wenn wir aufhören, die Sensationslust zu füttern, können wir aufarbeiten. Dann beginnt Wachsamkeit.
Auch ich bin schon in solche Fallen getappt. Und ich weiß, was es heißt auszusteigen. Es funktioniert nur, wenn man alles hinter sich lässt. Und das Grauen teilen darf nur, wer es erlebt hat. Denn die Scham danach ist manchmal noch schmerzhafter als das, was vorher erlitten wurde.
Morgen (Dienstag) spreche ich darüber, warum wir den inneren Sensor zum Schweigen bringen, wenn alles golden glänzt, und wie wir lernen, Zeichen von Manipulation früh zu erkennen, bevor die Falle zuschnappt.
Bleibt wachsam, bleibt bei euch, bleibt frei.
© Manuela Engel-Dahan
Waldphilosophin und Krisenwandlerin
Beraterin für Verkaufsförderung mit GEO/screen
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