Wir können nicht anders, die Fantasie geht mit uns durch. Nachdem wir den nackten Kaiser durch die Gazetten trugen, folgt nun eine neue Metamorphose.
In der Ära der Ablenkungsmanöver war das Land erfüllt von Klang und Glanz. Überall blinkten Spiegel, in denen man sich selbst bewundern sollte. Spieglein, Spieglein äh Smartphone, Smartphone in der Hand, wer ist der schönste, der klügste, der erfolgreichste Mensch im Land.
Während im Hintergrund leise weiter Fäden gezogen wurden, kaum sichtbar, doch spürbar, kam der Bote mit einer frohen Nachricht.
Hans im Glück erhält eine feierliche Auszeichnung und darf sich fortan Hanswurst in seinen Ausweis eintragen lassen. Die Wurst, der Hans, das ausgezeichnete Prädikat.
Und so wurde aus einem mutigen Hans im Glück ein gepriesener, fleischiger Hanswurst. Er hatte sich so oft an den glänzenden Tischen des Fortschritts bedient, dass seine Haut eng saß wie die Pelle einer gut gefüllten Bratwurst.
Nun mühte er sich, aus ihr herauszukommen, weil sie zu platzen drohte.
Der Kaiser, noch immer nackt, hatte das Spiel längst perfektioniert. Seine Schneider webten keine Kleider mehr, sondern Geschichten. Jede Erzählung war ein Mantel, in den das Volk sich hüllte, um die eigene Blöße nicht zu spüren.
In der Mitte des Reiches, wo einst Herz und Vernunft wohnten, tagte nun der Rat der Geräuschmacher. Sie beschlossen, täglich neue Ablenkungen zu verkünden. Ein Drama hier, ein Skandal dort, eine Bedrohung aus der Luft, und immer, Gott sei Dank, immer jemand der Schuld hat und ganz klar, auch stets ein leiser Funken Hoffnung zur Beruhigung.
Hans hörte das Getöse, schüttelte sich und machte Späße. „Am Ende“, murmelte er, „stellt sich vielleicht die Frage, wer alles seinen Senf(t) hinzugibt.“
Dann schälte er sich, mit einem lauten Plopp, aus seiner Pelle, roch nach Rauch und Wahrheit und ging barfuß, im Adamskostüm, davon.
Hinter ihm flimmerte das Reich weiter, schön, laut und mit weichgespülten Geschichten oder hartgesottener Wahrheit … wer weiß das schon.
Und irgendwo am Waldrand begann jemand, ein neues Märchen zu erzählen. Ganz leise. Vielleicht eine Botschaft, die es lohnt zu hören.
© Manuela Engel-Dahan
Krisenwandlerin und Ex-Unternehmerin mit Fantasie
Waldphilosophin und Autorin
Die Sprache entschleunigt – im langsamen Begreifen gelangen die Dinge zur Klarheit. Manchmal erinnert die Diktion an die oft unterschätzten Gedichte Friedrich Nietzsches bewusstes Staunen statt Hast. Die Texte entschleunigen und führen vom persönlichen Erleben zu allgemein gültigen Einsichten.