31. März 2026

Trauer kommt in Schüben

Vom Gewicht des Seins und der Lehre der Gefährten

Heute schreibt der Himmel mit kaltem Regen auf meine Haut.
Winzige, frische Nadelstiche, die mich schmerzhaft daran erinnern,
dass ich noch atme, während ein Teil meines Herzens mit dir gegangen ist.

In den Pfützen zu meinen Füßen spiegelt sich die ganze Welt,
und die Tränen des Himmels lassen alle Konturen erzittern.
Sind die Tränen dafür da,
das Harte weich werden zu lassen?

Da fängt es an zu hageln,
ganz feine Körnchen,
als wollte jemand meine Aufmerksamkeit,
als würde jemand flüstern:
„Ich weiß doch, es tut weh. Mir auch …“

Es ist mehr ein Knistern als ein Klopfen,
und während ich über diese Botschaft sinniere,
mischen sich dicke Schneeflocken darunter.
Sie tanzen mitten in diesem Grau vor meine Augen,
bringen Lichtmomente hinein, und mir ist,
als wären es einst Regentropfen, die sagen:

„Wir wollen noch etwas länger leben.
Ich will nicht fallen, ich will schweben.“

Und plötzlich ist da noch eine Stimme,
die mir einhaucht:
„Ja, du lebst. Ich sehe dich.“

Ich stehe im Wald und spüre das Wundsein all jener,
die verlieren, was sie geliebt haben.
Wir sind verbunden durch dieses Tragen und Loslassen.

Denn Trauer fragt nicht, wen wir verloren haben.
Sie legt sich auf alles, was geliebt war.
Auf Menschen.
Auf Zeiten.
Auf Orte.
Auf Wesen, die uns Heimat waren.

Mein Mantel saugt alles auf,
den Regen, den Hagel, den Schnee.
Er wird schwer, er drängt mich, er mahnt mich:
Das Leben hat Gewicht.
Doch das Leben darf auch leicht sein.
Es wird erst schwer, wenn die gehen, die wir lieben.

Du hast einen Teil dieses Gewichts mit mir getragen.
Jetzt bist du vorausgegangen in die Leichtigkeit des Geistes,
und durch deinen Verlust trage ich die Schwere meiner Welt nun allein.

Gerade unsere Hunde,
unsere treuen Weggefährten,
sind Botschafter und Lehrmeister.
Sie zeigen uns, wie man bedingungslos liebt,
wie man bleibt, ohne zu fragen,
wie man geht, ohne je wirklich zu verschwinden.

Du bist vorausgegangen, damit ich lerne,
das Gewicht dieser Liebe nun allein durch die Welt zu tragen.

Solange, bis ich nachkomme.

© Manuela Engel-Dahan
Waldphilosophin und Krisenwandlerin
Impulsgeberin für Mensch und Wirtschaft

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Buchbesprechung von Gerhard Charles Rump (postume Veröffentlichung, 08.08.2020) zu Freigeistige Waldgedanken – Band 1.
Die Sprache entschleunigt – im langsamen Begreifen gelangen die Dinge zur Klarheit. Manchmal erinnert die Diktion an die oft unterschätzten Gedichte Friedrich Nietzsches bewusstes Staunen statt Hast. Die Texte entschleunigen und führen vom persönlichen Erleben zu allgemein gültigen Einsichten.
— Gerhard Charles Rump (1947–2020), Kunsthistoriker und -theoretiker mit Schwerpunkt zeitgenössische Kunst; Privatdozent an der TU Berlin, Kurator, Galerist und Fotokünstler.
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