25. August 2021

Stil und Blüten

Leben und Sprache ändern sich, ich muss umlernen ...

Auf einem toten Stamm
arrangieren sich Flechten und Pilze,
mir scheint auch,
dass das Dasein derzeit
gerade mit Stilblüten
ohne Plausibilität garniert wird.

Wenn ich bislang den Buchstaben „G“
in Kombination mit Ziffern eher
mit Mobilfunk in Verbindung brachte,
lerne ich nun und konditioniere mich neu.

Leben und Sprache ändern sich,
die Grenzen verschwimmen und
wer weiß, was uns noch alles blüht?
Die Zukunft im Nebel oder
Reglementierungsdschungel?
Wer darf wann, wo, was?

Was wird vergehen
was wird wachsen?
Ich spüre viel Ungerechtigkeit,
Sinnsuche liefert Fehleinschätzungen,
Wortkreationen prägen neue
Sprachwährung.

Während hier Güter und Menschen
von Wildwasser über- und weggespült werden
und viele vor den Trümmern stehen,
macht wiederholtes Leiden
bei Frauen und Kindern im Orient
das Rennen auf den Titelblättern.

Leben wir in einer Epoche
in der sich Selfies mit Katastrophenbildern
ein Wettrennen liefern?

Bleiben Menschlichkeit,
gesunder Menschenverstand und Vernunft
vielleicht auf der Strecke,

… weil noch keine passende App entwickelt worden ist?

… weil wir uns im körperlichen Optimierungswahn befinden?

… weil wir stetig auf Schnäppchensuche sind?

… weil wir mehr mit gepimpten Äußerlichkeiten
als mit nüchterner Realität beschäftigt sind?

… weil wir auf Wachstum statt auf Erhaltung konditioniert sind?

… weil wir in der Informationsflut die Vernunft ertränkt haben?

… weil alles schnell oder sofort geliefert werden muss
und niemand gesunden Menschenverstand im Portfolio hat?

Ich schließe mich nicht aus,
hab mich doch auch angepasst,
mich so gut es geht arrangiert,
will auch Einschränkungen vermeiden,
aber wo ist mein rechter Weg?

Ich möchte das gerne
mit Gleichgesinnten diskutieren,
bin der Meinung,
dass wir wieder mehr
auf die innere Stimme hören,
unserer Intuition folgen sollten.

Was war deine
größte Fehleinschätzung?

Ich will aufmerksam zuhören,
aufmerksam zuschauen,
um zu verstehen,
wie man Zukunft gestalten kann,
die freie Denkräume bietet,
um Zuversicht und Vertrauen
zu stärken und Mitmenschen
nicht benachteiligt.

Illusion oder Vision,
man wird sehen …

© Manuela Engel-Dahan

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Rezension
Buchbesprechung von Gerhard Charles Rump (postume Veröffentlichung, 08.08.2020) zu Freigeistige Waldgedanken – Band 1.
Die Sprache entschleunigt – im langsamen Begreifen gelangen die Dinge zur Klarheit. Manchmal erinnert die Diktion an die oft unterschätzten Gedichte Friedrich Nietzsches bewusstes Staunen statt Hast. Die Texte entschleunigen und führen vom persönlichen Erleben zu allgemein gültigen Einsichten.
— Gerhard Charles Rump (1947–2020), Kunsthistoriker und -theoretiker mit Schwerpunkt zeitgenössische Kunst; Privatdozent an der TU Berlin, Kurator, Galerist und Fotokünstler.
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