02. Januar 2026

Sanfter Blick in die Zukunft

Alles ist möglich. Auf seine eigene Art. Tue, was du nicht lassen kannst.

Wenn ich in die Glaskugel schaue,
sehe ich nicht nur morgen.
Ich sehe mich selbst.
Wie in einem Spiegel.
Ich sehe, was war, was ist,
und ahne, was sein wird.

Ich sehe mich vor fünf Jahren
und fühle, was ich damals fühlte.
Alles offenbart sich mir in kleinen Portionen,
damit ich wachse statt zu zerbrechen.

Wie ein kleiner, stetiger Tropfen
des Lebens, der nicht auf einmal zerspringt,
sondern nach und nach neue Formen
in mein Lebensgewebe zeichnet.

So bleibt jeder Blick nur ein scheuer Moment.
Ein Rückblick, ein Ausblick, so weit er heute reicht,
ein kurzes Aufleuchten im Leben selbst.

Und es ist das Licht,
das den Blick verändern kann.
Grell, ganz ohne Filter.
Weich und warm,
kalt und klar.

Vielleicht wird der Blick einmal trüb.
Nicht schwächer, sondern weicher,
und milder, ja, das braucht es auch,
um anzuerkennen: Ich kann nichts ändern,
außer den Blick darauf.

Und wieder wird mir bewusst:
Alles ist bereits da.
So wie der Same den Bauplan in sich trägt
und auf den Moment wartet,
um sich zu entfalten.

Das Licht zieht ihn nach oben.
Wolken und Schatten
holen ihn zurück zum Boden,
damit er sich um seine Wurzeln kümmert.

Was auch immer von außen einwirkt,
ich reagiere mit dem, was mir mitgegeben ist,
und entwickle mich, so gut ich kann.
Wenn ich den Plan einer Birke in mir trage,
kann ich niemals Tanne oder Eiche sein,
doch ich kann ein Baum sein,
stark und widerstandsfähig.

Das Vertrauen in die Botschaft,
mit der ich auf die Reise gehe,
will ich verschwenderisch nutzen
und jeden kleinsten Glücksfunkeln
bewundern und preisen.

Was unverständlich ist,
muss ich nicht aushalten.
Was unerträglich ist,
muss ich nicht tragen.
Was zu Tränen rührt,
erschüttert und weckt mich auf,
zeigt mir, was kostbar ist und war,
führt mich an die Grenzen meines Seins,
wäscht Kummer aus der Seele
und schenkt mir lindernden Schlaf.

Alles, was war, lasse ich los.
Alles, was kommt, bewerte ich nicht.
Nur im Jetzt kann ich sagen,
wie es sich anfühlt.

Nun beginne ich eine neue Erinnerungskette,
starte mit einer kleinen Perle Vorfreude,
weil sich weitere lichtvolle Glücksperlen
im Laufe der Zeit hinzufügen werden.
Jeden Tag eine weitere.
Und auch solche, die trüb erscheinen,
vielleicht, weil sie den Schein im Inneren tragen.

Möge mein Blick
mich dorthin lenken,
wo selbst der Schmerz
das Gute und Wahre offenbart.
Vielleicht dient dieser Blick meinem Gefühlsausdruck
in Wort und Bild.

Auf ein neues Jahr,
mit vielen Blitzlichtern,
die mich tragen
in ein Gefühl von Freude und Dankbarkeit.

© Manuela Engel Dahan
Schriftstellerin, Krisenwandlerin, Waldphilosophin

#freigeistigewaldgedanken
#waldphilosophie
#FormYourWorld

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Buchbesprechung von Gerhard Charles Rump (postume Veröffentlichung, 08.08.2020) zu Freigeistige Waldgedanken – Band 1.
Die Sprache entschleunigt – im langsamen Begreifen gelangen die Dinge zur Klarheit. Manchmal erinnert die Diktion an die oft unterschätzten Gedichte Friedrich Nietzsches bewusstes Staunen statt Hast. Die Texte entschleunigen und führen vom persönlichen Erleben zu allgemein gültigen Einsichten.
— Gerhard Charles Rump (1947–2020), Kunsthistoriker und -theoretiker mit Schwerpunkt zeitgenössische Kunst; Privatdozent an der TU Berlin, Kurator, Galerist und Fotokünstler.
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