Fasching.
Die Welt trägt Maske.
Lässt kurz los und lockert auf.
Schafft einen kleinen Spalt, um Licht einzulassen.
Lachen ist gesund.
Es unterstützt, wenn die Last zu schwer wird.
Es bringt Leichtigkeit, die eine Hoffnung bereithält.
Lachen ist Befreiung.
Wir öffnen den Mund weit und werfen den Kopf zurück.
Wir zeigen unsere schwächste Stelle, weil wir uns sicher fühlen.
Weil wir uns ganz diesem Gefühl hingeben,
das unseren Körper mitreißt und manchmal sogar alle Dämme bricht.
Lachen kommt in Varianten.
Wie das Wetter.
Hier und da angekündigt.
Ein andermal wie unerwartete Gäste.
Der Flachwitz.
Er stolpert rein und bleibt trotzdem stehen.
Ich lache, weil er so schlecht ist, dass es mich schüttelt.
Und genau das ist seine Kraft.
Der Turbolacher.
Er passiert erst, wenn ich es kapiere.
Dann kommt der Schlag an die Stirn.
Aha.
Und die Welt tritt zurück.
Das Prusten.
Wenn ich zurückhalten will und der Körper explodiert.
Scham und Würde verschwinden im Luftschwall.
Das System befreit sich selbst.
Das stille Lächeln.
Nur ein kleiner Spalt in der Ernsthaftigkeit.
Und doch scheint ein wenig Licht hinein.
Die Selbstironie.
Die Königsdisziplin.
Wenn ich mich liebevoll auf die Schippe nehme, weil ich erkenne,
ich bin ja auch nur ein Mensch.
Dann empfange ich die Scham und nehme sie in den Arm.
Und ich spüre diesen Trost,
dass man, wenn etwas vorbei ist, fast über alles lachen kann.
Die Schadenfreude.
Schiefes Kichern hinter vorgehaltener Hand.
Der vermeintlich tröstende Gedanke,
ich bin nicht allein mit meinem Chaos.
Oder: Ich bin davongekommen.
Oder: Andere hätten eine Strafe verdient.
Es bleibt Täuschung.
Es verschafft keine echte Genugtuung.
Und dann erinnere ich mich.
Ich will mich an Gutem erfreuen.
Ich lasse das andere lieber für andere.
Der Galgenhumor.
Die kleine Wunderkerze, wenn alles dunkel ist.
Die letzte Rettung, wenn der Boden aufreißt.
Wenn nichts mehr lustig ist und ich trotzdem lache.
Weil ich die letzte Kraft verwenden will,
um mich selbst wieder aufzubauen.
Galgenhumor ist ein trotziges Lebenszeichen.
Ein vehementes: Ich bin immer noch da.
Eine Schmerztablette mit guter Nebenwirkung.
Solange ich atme, gebe ich nicht auf.
Solange ich lachen kann, ist immer noch Licht.
Und das Lachen bringt Lebensenergie in mein System.
Genug Kraft, um weiterzugehen.
Das Erleichterungslachen.
Wenn Spannung abfällt.
Nach dem Schreck.
Nach dem Ergebnis.
Wenn mein Körper sagt: Es ist vorbei.
Du hast es geschafft.
Das Tränenlachen.
Wenn zu viel auf einmal da ist.
Die absolute Entladung.
Ein Gewitter, das die Luft reinigt.
Ein Hormonschwall, der alle Schleusen öffnet.
Die Satire.
Ernste Gedanken mit Pfeffer gewürzt.
Manchmal Honig beigemischt, damit sie rutschen,
tief ins Innere.
Und dann brennt es,
dort, wo die Wunde sitzt.
Die Ironie.
Mikrostiche.
Fein dosiert.
Worte wie Waffen.
Sie wollen wecken und können verletzen,
wenn die Augen geschlossen bleiben.
Das Mitlachen.
Ich habe noch gar nicht verstanden, worum es geht.
Aber da lacht jemand.
Und mein Körper sagt: Ich will auch.
Ansteckung, vor der sich niemand schützen kann.
Das verbindende Lachen.
Wie eine Brücke zwischen zwei Menschen.
Ein Moment der Gemeinsamkeit.
Ein Raum, der keine Worte braucht.
Lachyoga.
Ausdauer statt Anlass.
Wiederholung statt Witz.
Und irgendwann glaubt mein System mir das Lachen.
Und setzt alles daran, dass Körper, Geist und Seele
nichts anderes mehr denken als: Ich lach mich gesund.
Und das ist die Essenz:
Wenn ich lache, katapultiert mein Atem Sauerstoff in mein Inneres.
Er öffnet ein Fenster im Kopf,
bringt frische Luft, wirbelt den Staub auf.
Mein Gehirn hört: Freude.
Es checkt kurz, ob das stimmt.
Und wenn es nichts Gefährliches findet, schickt es Botenstoffe los.
Und plötzlich tanzt alles in mir.
Meine Gedanken.
Meine Gefühle.
Und da ist nichts mehr wichtig,
außer sein.
Das Herz tanzt beschwingten Rhythmus.
Die Organe blubbern mit Sauerstoffbläschen um die Wette.
Der Bauch kugelt sich.
Die Schultern hüpfen im Takt dazu.
Lachen rüttelt und schüttelt.
Wie Frau Holle ihre Bettwäsche.
Es ist ein inneres Beben.
Für einen Moment gerät das Alte ins Wanken.
Und genau dann öffnet sich ein Spalt.
Und dort strömt das Licht hinein,
wie federleichte Schneeflöckchen,
wie neugierige Pollen.
Ein Spalt in der Realität.
Eine Kerbe als Erinnerung.
Dass alles, was ich erwarte, nicht immer das ist, was wirklich passiert.
Und manchmal ist es genau dieser Spalt,
in dem sich ein goldener Lichtfaden zeigt,
der das Dunkel erhellt.
Wie eine forsche Sternschnuppe.
Auch wenn sie vergeht.
Sie war da, um uns zu erfreuen.
Jetzt fällt mir dieser Satz ein:
„Ich lach mich tot.“
Und vielleicht bedeutet es:
Ich lach die Sorgen tot.
Für einen Moment.
Ich lach die Angst weg.
Und sie sagt: Ja, zeig deine Zähne.
Lachen ist zuweilen auch anstrengend.
Und schenkt uns danach diesen Moment
der glücklichen Erschöpfung.
Und dann geht es weiter.
Ich lach das Leben bunt.
Bunt wie Konfetti auf grauem Asphalt.
Bunt wie ein Ja zwischen lauter Vielleicht.
Und wenn ich danach wieder ernst werde,
bin ich nicht wieder ganz am Anfang.
Dann bleibt ein Lichtmoment in mir, mit dem Wissen:
Ich kann mich selbst wieder aufrichten.
Lachen ist Unterstützung.
Ein kleiner Auftrieb, wenn die Last schwer wird.
Und es geht weiter, denn
Humor rettet, wenn alles wankt.
Hoch auf das Lachen.
Auf die kleinen Funken im Alltag.
Auf die Wunderkerze, wenn es dunkel wird.
Auf die Leichtigkeit, die neue Hoffnung in sich trägt.
© Manuela Engel Dahan
Waldphilosophin und Krisenwandlerin
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Die Sprache entschleunigt – im langsamen Begreifen gelangen die Dinge zur Klarheit. Manchmal erinnert die Diktion an die oft unterschätzten Gedichte Friedrich Nietzsches bewusstes Staunen statt Hast. Die Texte entschleunigen und führen vom persönlichen Erleben zu allgemein gültigen Einsichten.