20. März 2026

Ist es wirklich Ghosting?

Gekränkte Reaktionen schwächen die Souveränität

Der Begriff Ghosting wird heute schnell verwendet, sobald jemand nicht antwortet.

Besonders im Businesskontext wird dabei, wie ich meine, oft recht flapsig ein Vokabular genutzt, das aus schmerzhaften und emotional verletzenden Beziehungserfahrungen stammt. Das ist nicht korrekt und wird der Tiefe solcher Erfahrungen nicht gerecht.

Denn nicht jede ausbleibende Rückmeldung ist Ghosting.

Im beruflichen Alltag kann Schweigen auch einfach bedeuten, dass etwas nicht passt, keine Priorität hat, kein Bedarf besteht oder ein Mensch seine Zeit und Energie gerade für anderes braucht. Auch das ist freier Wille.

Ich beobachte, dass aus ausbleibender Resonanz im geschäftlichen Kontext schnell eine Kränkung gemacht wird.

Manche Reaktionen wirken dabei weniger souverän als verletzt. Fast so, als sei fehlendes Interesse bereits ein Fehlverhalten. Doch nicht jeder, den wir als potenziellen Abnehmer ausmachen, ist auch tatsächlich einer. Niemand schuldet uns eine Antwort, nur weil wir selbst überzeugt sind von dem, was wir anbieten.

Ein Angebot ist eine Einladung. Eine Möglichkeit. Etwas, das angenommen werden kann oder nicht. Deshalb entsteht daraus kein Anspruch auf Beachtung, Interesse oder Erwiderung.

Wenn sich jemand die Zeit nimmt, einen Vorschlag anzuhören oder ein Angebot zu prüfen, ist das nicht selbstverständlich. Ein Mensch schenkt damit Zeit. Dafür darf man dankbar sein. Und wenn danach keine Rückmeldung kommt, kann das auch ein stilles Zeichen sein, das eigene Angebot, den Zeitpunkt oder die Ansprache noch einmal zu überprüfen.

Bekanntlich trifft man sich im Leben oft mehr als einmal. Gerade deshalb wäre es klug, sich manche beleidigte Erläuterung zu verkneifen. Zumindest dann, wenn man weitsichtig denkt. Wer weiß schon, was morgen wichtig wird.

Es ist in Ordnung, wenn jemand Nein sagt. Und es ist auch in Ordnung, wenn jemand schweigt, weil er schlicht nichts kaufen oder auch nur testen möchte.

Vielleicht täte uns auch im Business mehr Präzision gut und weniger Verurteilung. Mehr Achtung vor dem freien Willen des anderen. Und mehr Würde im Umgang mit den eigenen Misserfolgen.
Manchmal reicht auch ein inneres Lächeln.


© Manuela Engel-Dahan
Waldphilosophin | Krisenwandlerin | Autorin
Impulsgeberin für Mensch & Wirtschaft


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Buchbesprechung von Gerhard Charles Rump (postume Veröffentlichung, 08.08.2020) zu Freigeistige Waldgedanken – Band 1.
Die Sprache entschleunigt – im langsamen Begreifen gelangen die Dinge zur Klarheit. Manchmal erinnert die Diktion an die oft unterschätzten Gedichte Friedrich Nietzsches bewusstes Staunen statt Hast. Die Texte entschleunigen und führen vom persönlichen Erleben zu allgemein gültigen Einsichten.
— Gerhard Charles Rump (1947–2020), Kunsthistoriker und -theoretiker mit Schwerpunkt zeitgenössische Kunst; Privatdozent an der TU Berlin, Kurator, Galerist und Fotokünstler.
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