Gestern war wieder MUTmachTIPI auf der Wegscheide.
Wir saßen beisammen, eine Schulklasse und der Wald um uns herum. Das Tipi als Schutzraum. Wir sprechen über Gefühle und machen kleine Übungen und dann Trommeln und Tanzen.
Das war gestern sehr ausgelassen und hat so viel Spaß gemacht.
Und dann wurde es wieder stiller und wieder ging es um Gefühle. Über Angst. Über Freude. Über das, was man gerne tut. Über das, was man nicht mag. Über das, was bewegt.
Und dann der Befreiungsschrei.
Das ist eine ganz besondere Dynamik. Der Wald erlaubt es uns. Wir dürfen alles rauslassen.
Und danach kam diese Frage.
„Können Bäume eigentlich fühlen? Verstehen sie uns?“
Ich erzählte von meiner Kindheit. Von meinen eigenen Ängsten und was wir früher gemacht haben und wie ich den Wald lieben gelernt habe.
Und dass eines ganz wichtig ist, dass man Dinge nicht aus Angst tun soll, die man nicht tun möchte.
Ich erzählte auch, dass ich mit Bäumen spreche und mit Tieren und dass ich das manchmal laut oder auch einfach in Gedanken tue.
Vielleicht sagen manche, das ist verrückt.
Aber ich fragte sie, ob sie Lust haben, auszuprobieren, ob ein Baum verstehen kann, was man sagt.
Und dann erklärte ich, dass es bei mir funktioniert, wenn ich den Baum bitte, mich zu berühren. In Gedanken geht das und auch in echt.
Und ich fragte sie, ob sie das ausprobieren wollen. Sich einfach an einen Baum zu stellen, nah vor einen Ast und zu testen, ob der Baum es versteht, wenn man sagt:
„Lieber Baum, bitte berühre mich.“
Das war ein fröhliches Miteinander. Und überall hörte man flüsternd oder laut, manchmal auch ein wenig zornig oder enttäuscht:
„Lieber Baum, berühre mich.“
Denn bei manchen klappte es fast auf Anhieb, bei manchen nicht so recht. Es gab auch verärgerte Reaktionen.
„Das ist doof.“
Und doch haben sie es wieder versucht. Einfach nochmal ausprobieren, zum nächsten Baum, es war für den Baum ja quasi wie ein Überfall, versuchte ich, sie aufzumuntern.
Und eine Lehrerin rief:
„Ja, das klappt.“
„Bei mir auch.“
„Ich will auch.“
„Das warst du.“
„Nein, er hat nichts berührt, das war der Baum.“
Staunen. Auch bei mir. Man kann es kaum fassen, wenn man es erlebt.
Es war und ist wirklich sehr magisch.
Und dann kamen natürlich die Fragen.
„Warum geht das?“
„Ist es unser Atem?“
„Ist es der Wind?“
„Sind es die Gedanken?“
Ich weiß es nicht.
Vielleicht ist es der Atem.
Vielleicht ist es der Wind.
Vielleicht sind es die Gedanken.
Vielleicht ist es Energie.
Ich bin einfach dankbar, dass es geht.
Und wie geht das?
Es beginnt leise. Es beginnt mit kleinen, zitternden Blättern, dann ganz sachte bewegt sich hier und da ein Blatt und der Ast fängt irgendwie an zu schwingen.
Es hat etwas Graziöses, finde ich.
So als würde der Baum sagen:
„Ja, ich verstehe dich, ich sehe dich. Hallo. Ich bin da.“
Und ich sehe staunende Kinder, freudige Gesichter und ich bin so sehr berührt.
Und dann sagt ein Junge zu mir:
„Dürfen wir noch weiter erzählen, was wir gerne tun? Mir ist noch was eingefallen.“
Ich liebe es.
Und ich bin sehr dankbar, dass ich das erleben darf.
Waldflüsterei im MUTmachTIPI auf der Wegscheide mit ganz wunderbaren, so unterschiedlichen Kindern, die mir so viel Vertrauen schenken und über ihre Gefühle mit mir sprechen.
Danke Leben.
Danke Welt.
Danke Schöpfung.
Ich folge weiter meinem Ruf.
© Manuela Engel-Dahan
Waldphilosophin und Krisenwandlerin
Impulsgeberin für Mensch und Wirtschaft
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Die Sprache entschleunigt – im langsamen Begreifen gelangen die Dinge zur Klarheit. Manchmal erinnert die Diktion an die oft unterschätzten Gedichte Friedrich Nietzsches bewusstes Staunen statt Hast. Die Texte entschleunigen und führen vom persönlichen Erleben zu allgemein gültigen Einsichten.