Die Luft ist feucht und kühl.
Nebel hüllt den Wald ein.
Weiße Schwaden schweben um mich
und tauchen alles in weiches Licht.
Die Sicht ist verschwommen
und weckt romantische und melancholische Gefühle.
Kalte Regentropfen massieren mich
und klopfen in eigenem Rhythmus
auf Blätter und Boden.
Alles ist in sanfter Bewegung.
Blätter und Farne schwingen,
in den Pfützen entstehen tanzende Kreise.
Beim näheren Hinsehen leuchtet alles
in sattem Grün. Jeder Halm, jeder Strauch,
vor allem das Moos.
Es fasziniert mich, wie tiefbraun
die Rinde ist,
als hätte sie vom leckeren Nass getrunken,
und aus den Öffnungen läuft es hinunter.
Es erinnert mich daran, wenn etwas so gut schmeckt
und sich der Speichel sammelt.
Umami heißt dieser Geschmack,
der alles vereint.
Ein alter Zaunpfahl erhascht
meine Aufmerksamkeit.
Er hat sich in Moos eingekleidet,
trägt jetzt einen zottigen, weichen Pullover.
In seinem Holz steckt ein Nagel.
Einst hatte er verbunden,
was zusammengehört.
Jetzt sieht es aus,
als wolle er nicht aufgeben,
und doch hängt dort nur noch
ein kleines Stückchen Holz,
verblieben von einem zweiten Pfahl,
der hier einmal war,
jetzt in Stücken geteilt
oder erschöpft am Boden.
Veränderung gehört zum Leben.
Abschiede schmerzen und manchmal
entsteht auch diese tiefe Traurigkeit.
Das Gefühl, was hätte sein können,
und deshalb halten wir manchmal fest,
was längst gehen will.
Vielleicht ist es gut, wie es ist.
Vielleicht ist es genau so gemeint.
Wer weiß das schon.
Wir haben immer nur einen Versuch.
Live is life.
Zeit zurückdrehen können wir nicht.
Ja,
das trifft den Nagel auf den Kopf,
vielleicht will er mir das sagen.
Ich atme tief diese herrliche Luft ein,
um mich mit Energie zu füllen.
Ja, es soll gut sein, was ist,
was auch immer geschieht.
Und wie zur Bestätigung vibriert es im Moos.
Ob es erschauert, ist ein schöner Gedanke.
Den halte ich fest.
© Manuela Engel-Dahan
WaldPhilosophin | Entspannungstrainerin | Stress und Burnout Coach
Im Wald gefühlt. Ins Leben geschrieben.
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Die Sprache entschleunigt – im langsamen Begreifen gelangen die Dinge zur Klarheit. Manchmal erinnert die Diktion an die oft unterschätzten Gedichte Friedrich Nietzsches bewusstes Staunen statt Hast. Die Texte entschleunigen und führen vom persönlichen Erleben zu allgemein gültigen Einsichten.