06. Mai 2020

Dressierte Angst

Zeit für Angst zu Mut? Erkennst du ein Momentum, spürst du Atemnot?

Wann ist der richtige Moment,
um zu loben,
um zu tadeln,
um zu jubeln,
um zu mahnen,
um zu schweigen,
um die Stimme zu gebrauchen?

Welche ist die richtige Form,
um zu fragen,
um zu antworten,
um zu zweifeln,
um zuzustimmen?

Wer legt fest,
wann der richtige Moment ist,
welche Form zu wählen ist,
wer gehört werden darf?

Sollen wir nicht fragen,
damit sie nicht sichtbar wird,
nicht laut oder hässlich,
diese Angst,
Furcht einflößend,
zerstörend.
Achtung Lebensgefahr
Husch, husch, still.

Wird diese Haltung nutzen
oder bleibt nichts verwehrt,
denn die Angst wird nicht ruhen,
bis wir sie herausgeholt haben,
aus den Gedanken,
aus den Worten und
den Taten,
aus der Zukunft,
um ihr gegenüber zu treten
Auge in Auge?

Diese Angst,
durch das Virus präsentiert,
will aufgedeckt werden,
ruft laut „schau mich an“,
gleich einem hohlen Spiegel,
der alles vorzeigt,
das vor ihm Fratzen zieht,
dunkle Schatten wirft,
durch unehrenhafte oder
verbotene Taten
oder auch zornige Reden
laut schallen lässt.

Im Licht gesehen,
will die Angst
nicht mehr flüchten,
denn sie ist nur das Abbild
einer enttarnten Gesellschaft.

Angst fordert heraus,
will Konfrontation, damit
du sie vortreten lässt und
das Bild prüfst,
das du siehst,
es abgleichst
mit den Worten,
die du hörst,
damit du
Dissens erkennst.

Bei Missachtung
verschwindet sie nicht,
sondern wird größer und
kann schier unüberwindbar
erscheinen,
schwächt uns,
macht uns reizbar,
manipulierbar,
weil wir uns versteckt haben
und niemand uns sehen darf
in unserem letzten Refugium
im inneren Hoffnungsraum,
mit dem Gedankentrost,
dass man es gut mit uns meint.
Nein, andernfalls .... Gedanke verwehrt ...

Wer nicht selbst handelt,
der wird behandelt.
Wer Zukunftsgestaltung
anderen kritiklos überlässt,
hat nur diesen Hoffnungsraum
als stumpfes Werkzeug.

Schau, höre, denke,
die Angst wird zu Mut,
weil man erkennt,
wer Fratzen macht,
wo Wort und Tat nicht stimmig sind,
wo Mittel
Sinn und Zweck verhöhnen,
wo Willkür die Willkür ersetzt,
dann wächst ein heilendes
Bedürfnis nach Aufklärung!

Schau sie an die Angst,
bring Licht ins Dunkel,
demaskiere deinen Mut!

Angst zu Mut!
Hoffnung zu Zuversicht.
Denken eine Pflicht.
Liebe dich.
Deine Zukunft ist jetzt.

© Manuela Engel-Dahan

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Buchbesprechung von Gerhard Charles Rump (postume Veröffentlichung, 08.08.2020) zu Freigeistige Waldgedanken – Band 1.
Die Sprache entschleunigt – im langsamen Begreifen gelangen die Dinge zur Klarheit. Manchmal erinnert die Diktion an die oft unterschätzten Gedichte Friedrich Nietzsches bewusstes Staunen statt Hast. Die Texte entschleunigen und führen vom persönlichen Erleben zu allgemein gültigen Einsichten.
— Gerhard Charles Rump (1947–2020), Kunsthistoriker und -theoretiker mit Schwerpunkt zeitgenössische Kunst; Privatdozent an der TU Berlin, Kurator, Galerist und Fotokünstler.
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