13. Mai 2026

Die vermeintliche Komfortzone

Vom Aushalten und Ankommen

Wir nennen es Komfortzone.
Ein Wort, das nach Bequemlichkeit klingt.
Nach Sicherheit.

Und dann heißt es:
„Du musst deine Komfortzone verlassen,
um zu wachsen.“

Doch wenn man genau hinschaut,
wenn man sich einfühlt:
Ist es wirklich Komfort?

Oder ist es nur das altbekannte Muster,
dessen Struktur wir kennen?
Ein Rahmen, den wir manchmal Schicksal nennen,
wenn wir ihn nicht verändern wollen
aus Angst vor dem, was draußen wartet.

Wir bleiben nicht, weil es schön ist.
Wir gehen nicht, weil wir befürchten,
dass alles schlimmer werden könnte.

Wir bleiben,
weil die Angst vor morgen mehr Herzklopfen verursacht
als der Schmerz von heute.

Wir machen Zugeständnisse,
um den Wellenschlag aufzufangen.
Das Glätten gelingt nicht immer.
Manchmal nur dann,
wenn wir im Stillen untergehen.

Vielleicht wagen wir den Schritt nicht,
weil wir fürchten,
dass das Neue noch dunkler sein könnte
als das vertraute Grau.

Das ist kein Komfort.
Das ist ein Raum der Gewohnheit.

Ein Ort, an dem wir gelernt haben,
den Atem anzuhalten,
damit kein falsches Wort den Mund verlässt.

Dort, wo wir funktionieren,
statt lebendig zu sein.
Dort, wo wir steif aushalten,
statt agil zu gestalten.

Wann treten wir raus?

Manchmal erst,
wenn der Schmerz des Bleibens schwerer wiegt
als die Angst vor dem Gang ins Unbekannte.
Wenn das Gift der Gewohnheit
uns innerlich verbrennt.

Oder wenn die Stille der Langeweile
zum Lebenstinnitus wird.
Wenn in uns etwas ruft,
das nicht länger überhört werden will.

Echte Komfortzone ist dort,
wo die Intuition frei sein darf
und mit Hirn und Herz Walzer tanzt.

Denn Komfort ist nicht Stillstand.
Komfort ist Wohlbefinden.
Ein innerer Ort,
an dem wir nicht mehr nur aushalten,
sondern ankommen.

Und dann wachsen wir unaufhaltsam.


© Manuela Engel-Dahan
Waldphilosophin und Krisenwandlerin
Impulsgeberin für Mensch und Wirtschaft

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Buchbesprechung von Gerhard Charles Rump (postume Veröffentlichung, 08.08.2020) zu Freigeistige Waldgedanken – Band 1.
Die Sprache entschleunigt – im langsamen Begreifen gelangen die Dinge zur Klarheit. Manchmal erinnert die Diktion an die oft unterschätzten Gedichte Friedrich Nietzsches bewusstes Staunen statt Hast. Die Texte entschleunigen und führen vom persönlichen Erleben zu allgemein gültigen Einsichten.
— Gerhard Charles Rump (1947–2020), Kunsthistoriker und -theoretiker mit Schwerpunkt zeitgenössische Kunst; Privatdozent an der TU Berlin, Kurator, Galerist und Fotokünstler.
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