08. Februar 2026

DIE ABSAGE

Eine Liebeserklärung des Lebens

Beim IHK Netzwerk „Frauen unter sich“ wurde ich gefragt: 
Wie geht man mit Absagen um. 
Wie bleibt man sichtbar, ohne dass Enttäuschung am Selbstvertrauen sägt.

Ich dachte, ich wüsste, wie es geht. 
Nach 13 Gründungen weiß man ja, was zu tun ist. 
Ich war vorbereitet. Ich hatte alles gegeben. 
Und dann kamen sie. Die Absagen.

Kein dumpfer Schmerz. Ein stechender. 
Wie eine kalte Dusche ohne Vorwarnung. 
Der erste Gedanke: Du wirst nicht gebraucht, trotz Expertise.

Doch eine kalte Dusche macht dich nicht kleiner. 
Sie mobilisiert. Blut in den Adern, Kopf wach, Sinne scharf. 
Und damit die Erkenntnis: Die Welt ändert sich und ich mich auch. 
Was gestern passte, passt heute nicht mehr.

Plötzlich war da dieser Gedanke: 
Vielleicht passiert das zu meinem Besten. Als Schutz. 
Als ein inneres: Jetzt passen wir auf dich auf. 
Die Umstände waren noch nicht bereit. 
Oder der Ort war nicht meiner.

Und weil ich mir gern Bestätigung im Wald hole, fand ich sie dort auch. 
Eine Amsel hat es mir zugeflüstert, es stimmt. 
Dass ich einen Vogel habe, muss ja niemand wissen. *grins*

Wenn der Wald hustet, fliegen Pollen in gelben Wolken los. 
Sie wirbeln, sie suchen, sie wollen ankommen. 
Und wenn Regen sie zu Boden drückt, fühlt es sich wie Ausbremsen an. 
Dabei ist es Schutz und Unterstützung.

Jede Absage ist eine Liebeserklärung des Lebens. 
Sie tätschelt, auch wenn es kurz wie eine Ohrfeige wirkt. 
Das Leben flüstert: Halt ein. 
Du willst dich an einen Ort verschenken, der nicht deiner ist.

Und selbst wenn das Hirngespinste wären, der Nutzen ist unbezahlbar. 
Wir erwarten Gutes. Das hebt die Stimmung und unsere Ausstrahlung. 
Man spürt, ob jemand sich selbst vertraut. Und man geht gern mit. 
Plötzlich erwachen neue Chancen.

Die Absage schützt dich davor, zu früh sesshaft zu werden, 
wo kein Wachstum möglich ist. 
Wenn dich das nächste Mal die kalte Dusche trifft, erinnere dich. 
Du wirst nicht bestraft. 
Du wirst wachgeküsst für deinen Bestimmungsort.

Verschenke dich nicht. 
Wer dich nicht will, den brauchst du nicht. 
Dafür bist du viel zu wertvoll.

Lächeln und winken! 



© Manuela Engel Dahan
Waldphilosophin und Krisenwandlerin

#FormYourWorld 
#FreigeistigeWaldgedanken 
#VomSinnDerAbsage

Fotocredits: IHK, Selina Lukas, Abteilungsleiterin Kommunikation - Lieben Dank -

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Rezension
Buchbesprechung von Gerhard Charles Rump (postume Veröffentlichung, 08.08.2020) zu Freigeistige Waldgedanken – Band 1.
Die Sprache entschleunigt – im langsamen Begreifen gelangen die Dinge zur Klarheit. Manchmal erinnert die Diktion an die oft unterschätzten Gedichte Friedrich Nietzsches bewusstes Staunen statt Hast. Die Texte entschleunigen und führen vom persönlichen Erleben zu allgemein gültigen Einsichten.
— Gerhard Charles Rump (1947–2020), Kunsthistoriker und -theoretiker mit Schwerpunkt zeitgenössische Kunst; Privatdozent an der TU Berlin, Kurator, Galerist und Fotokünstler.
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